Prinzipalmarkt 41 – Erläuterungen

Der Prinzipalmarkt in Münster ist ein städtischer Raum, der in der 2. H. des 11 Jh. entstand und sich bis zum 2. Weltkrieg unter Einhaltung seiner zellenartigen Grundstücksstruktur, immer wieder im jeweiligem Zeitwille erneuerte. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt und auch der Prinzipalmarkt zu 90 % zerstört.

Der Wiederaufbau des Prinzipalmarktes nach dem 2. Weltkrieg als identitätsstiftenden Stadtraum erfolgte unter Mitwirkung der Kaufleute und des Stadtplanungsamtes in den alten Strukturen, aber mit einer vereinheitlichen Gestaltung.

Klassizistische Vorkriegsgebäude mit traufseitiger Ausrichtung (Prinzipalmarkt 5), historistische Gebäudegruppen (Prinzipalmarkt 1-3) und zum Teil erhaltene Gebäudefragmente, wurden zu Gunsten einer homogenen Gesamtgestaltung aufgegeben. Es entstanden giebelständige Gebäudetypologien mit eher flächig gestalteten Obergeschossen auf Arkadengängen.

Die Arkadengänge sind zu meist als Rundbögen, in Teilen als Spitzbögen ausgebildet. Die darüber folgenden Obergeschosse sind mit den konturierten Schildwänden in einer Ornamentik und Formensprache der Nachkriegszeit ausformuliert, nicht als versachlichte Rekonstruktionen, sondern als erzählerische, selbstbewusste Neuschöpfungen aus den idealisierten Erinnerungen des Verlorenen.

Das Haus Prinzipalmarkt 41

Das Haus Prinzipalmarkt 41 war vor dem Krieg in seinen Grundstrukturen ein gotischer Werksteinbau mit zwei vollen Obergeschossen und einem abgetreppten Giebel mit aufgesetzten Fialen. Das Erdgeschoss wurde über spitzbogige Arkaden erschlossen, deren zwei mittlere Säulen dem Haus zugehörig und die jeweils äußeren den Nachbarhäusern entliehen waren.

Der Wiederaufbauplan vom Architekten Benteler setzte die gotische Typologie des Vorgängerbaus fort. Die Spitzbogenarkaden wurden übernommen. Das erste und zweite Obergeschoss wird mit jeweils sieben vertikal, in zwei äußeren Dreiergruppen und einer mittleren Zweiergruppe, gegliederten Öffnungen belichtet. Öffnungen mit nahezu rahmenlos eingesetzten Bleiverglasungen, die eher den gotischen, mittelalterlichen Strukturen entsprechen, als den ansonsten am Prinzipalmarkt ausgeführten Sprossenfenstern. Der geplante gotisierende Stufengiebel, mit den angedeuteten Fialen und den runden Entlastungsöffnung mit Fischblasenornament als Zweischneuß, kam nie zur Ausführung.

Der Giebel

Der von uns vorgeschlagene Giebel findet seinen strukturellen Ansatz auf den Werksteinstürzen der Fenster im zweiten Obergeschoss unter Aufgabe des bestehenden Wasserschlages, so dass über die entstehende Flächigkeit eine harmonische Zusammenführung der unterschiedlichen Höhen der Gesimse der Nachbarhäuser möglich wird.
Wir formulieren ein Giebelfeld als Schildwand, das aus der Dachform entwickelt, die gotische Typologie des Hauses in den Proportionen zu Ende führt und innerhalb der Häuserreihe in Größe und Rhythmus dem Gestaltungswillen eines homogenen Stadtraumes folgt.

Auf Höhe der Giebelöffnungen der Nachbarhäuser, schreiben wir in der tektonisch ausformulierten Natursteinfassade aus Sandstein eine sich zur Mitte hin öffnende Struktur aus vertikalen Werksteinen ein, die den zu schaffenden Wohnraum im Dach als Schleierwerk mit einem hinterlegten Vitrinen-Fenster zum Prinzipalmarkt und zum Kirchplatz der St. Lamberti-Kirche öffnet.

Die Struktur der Natursteine mit ihren radialen Ausrichtungen, erzeugen aus einer bewegten, flankierenden und aus einer frontalen Betrachtung eine komplexe Dynamik, die den Dialog mit der entmaterialisierenden, gotischen Tektonik der Lamberti-Kirche sucht.

Die Giebelwand als solches hat die Aufgabe, das Schleierwerk als erzählerische Mitte zu fassen, ohne es zu rahmen. Nur so wird die geometrische Simulation des Blendwerks zum ausstrahlenden, thematischen Abschluss der bestehenden Strukturen des Hauses und nicht zu einem einbeschriebenen, dekorativen Ornament in einer definierten Fläche.

Das Giebelfeld in Form eines ruhenden, gleichschenkligen Dreiecks, ist gestalterisch über die Eckpunkte der beiden Traufsteine und dem Schlussstein am First definiert. Diese Steine erhalten durch eine materialgerechte Bearbeitung der Oberfläche eine besondere Bewertung. Die massive Ausführung des Werksteingiebels erfordert einen glaubwürdigen Abschluss, der die homogene Konstruktion verständlich zu den offenen Rändern am Ortgang abschließt. Wir realisieren einen bündigen Ortgang aus massiven Werksteinen, die über im rechten Winkel zur Neigung der Schildwand auslaufenden Fugen miteinander versetzt werden.

Das Gesamtbild

Der Wunsch, einem dem Zeitwillen entsprechenden erzählerischen Ausdruck zu finden, wird über die handwerklichen Möglichkeiten des einheitlichen Ausgangsmaterials Sandstein und der handwerklichen Ausführung realisiert und so in das Gesamtbild des Prinzipalmarktes integriert.