Bild: Architekturbüro Achterkamp im Torhaus - Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2017 Bild: Architekturbüro Achterkamp im Torhaus - Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2017 Torhaus - Salon - Treppenhaus

Architekturbüro Achterkamp im Torhaus - Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2017

2017-11-07

Das Torhaus der Kommende Steinfurt mit seinem Fachwerkgefüge von 1146 und massiven Erweiterungen von 1606 und um 1830 wurde seit 2009 nicht mehr bewohnt. Durch die Fürst zu Bentheimsche Domänenkammer wurde es nun einer neuen Nutzung als Architekturbüro zugeführt. Auf der Grundlage einer sorgfältigen Bestandsdokumentation wurde eine Sanierung vorgenommen, bei der neben dem größtmöglichen Erhalt der historischen Bausubstanz auch eine energetische Optimierung, eine statische Ertüchtigung der Decken und Dachstühle und eine komplett diffusionsoffene Bauweise durch den Einbau natürlicher Baustoffe wie Kalk, Lehm und Holz sowie den Verzicht auf sperrende Baufolien oder Zementmörtel gelungen ist. Die vorsichtige Anpassung an eine zeitgemäße Büronutzung wurde in hervorragender handwerklicher Leistung sowohl mit historischen als auch modernen Materialien und Techniken umgesetzt. Unter der Anleitung eines in der Denkmalpflege erfahrenen Architekturbüros konnte so ein für den Ort und das Ensemble wichtiger Bau für lange Zeit wieder instand gesetzt werden. Dies zeichnet die Jury mit einem 2. Preis aus.

Das Torhaus in der Johanniterkommende in Burgsteinfurt, ist in drei Bauabschnitten erstellt worden. Der Ursprung aus dem Jahre 1446 in Fachwerkbauweise, die Erweiterung des Fachwerkgebäudes durch vorgeblendete Sandstein- und Ziegelfassaden aus dem Jahre 1606 und der seitliche Wohntrakt in Ziegelbauweise mit Holzbalkendecken um 1830. Der Bestand der Konstruktionen war wie zuvor beschrieben in einem relativ guten baulichen Zustand. Ein großer Teil des historischen Bestandes der Fensterkonstruktionen und Innentüren einschließlich der Beschläge ist noch vorhanden. Die Dielenböden und ehemaligen Farbfassungen der Wände und Decken waren unter jüngeren Schichten und Oberflächen noch vorhanden. Die ehemalige Kaminwand und die Kontur des ehemaligen Bosens waren unter Schichten von Putz und Holzwolle-Zementplatten sichtig oder noch als Substanz vorhanden. Im 1. Obergeschoss ist während der Rückbauarbeiten ein Waschtisch aus Sandstein unter einer Treppe freigelegt worden. All diese Bestände zeigen mit ihrer Formenvielfalt und den historischen Oberflächen den ganzheitlichen Ausdruck von der baulichen Idee eines Torhauses. Der Erhalt und das Einlassen auf bestehende Strukturen ist der Leitgedanke bei der Umnutzung und Sanierung des Torhauses zu unserem Architekturbüro.

Das Torhaus ist in seiner gesamten Wirkung ein Gebäude mit einer durchgängigen homogenen Ausstrahlung. Die neuen Elemente treten sichtbar in den Dialog zum Bestand. Die gestalterische Idee der Sanierung des Torhauses ist nicht der Kontrast zwischen Substanz und Ergänzung, sondern die Fortführung der alten Strukturen mit neuen Mitteln. Alle Oberflächen zeigen das Material aus dem sie bestehen, die Fenster, die Türen und die Sockelleisten aus weiß lackiertem Holz bilden dazu das Paspartou und beruhigen den Gesamteindruck der komplexen Oberflächen. Die Einrichtung aus verzinkten Stahlprofilen mit matt schwarzen geölten MDF Platten und Birkensperrholzelementen schenkt dem Haus eine ironische Modernität und Leichtigkeit im Ausdruck.

Bild: Architekturbüro Achterkamp im Torhaus - Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2017 Bild: Architekturbüro Achterkamp im Torhaus - Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2017 Atelier 01 - Atelier 02 - Küche


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