Bild: Wettbewerb Urbanes Leben in Lingen an der Ems, 3. Preis Bild: Wettbewerb Urbanes Leben in Lingen an der Ems, 3. Preis Auszug Wettbewerbsbeitrag

Wettbewerb Urbanes Leben in Lingen an der Ems, 3. Preis

2015-07-03

Leitgedanken - Die Stadt ist immer ein Abbild ihrer Bewohner. Die Straßen formulieren immer die Bewegung derer die sich bewegen und die Häuser umschreiben immer das Tun derer die sie behausen. Der Inhalt eines Ortes ist immer seine Geschichte und alle Veränderungen im Laufe der Zeit waren immer die Folge der gestellten Sinnfragen und des Verhaltens. Das zu bebauende Grundstück liegt in einem Altstadtviertel, dessen Straßen und Gassen die Verbindung zwischen dem Marktplatz als Ort des Handelns und dem Universitätsplatz als Ort der Bildung herstellen. Das Professorenhaus von 1684/85 und das Bonifatiuskrankenhaus von 1891 prägen als direkte Nachbargebäude das Umfeld. Der Wunsch, an diesem Ort innerstädtischen Wohnraum zu schaffen, erfordert eine neue Definition der Baukörper gegenüber der historischen Bebauung. Ein geschlossener Baukörper an der Ecke Gymnasialstraße - Karolinenstraße würde in der Innenecke eine dunkle Kernzone schaffen die in Verbindung mit der Garagenzufahrt weitere tote Fassaden und Rückseiten erzeugen würde.

Baukörper - Aus diesem Grund haben wir das Projekt in zwei Baukörper geteilt, die in ihrer Form und Hüllfläche eine Typologie schaffen, die die Strukturen des Ortes spiegeln. Die Körper beschreiben eine Außenseite zu den öffentlichen Straßen, von denen die erdgeschossigen Dienstleistungsflächen erreicht werden. Die Körper beschreiben auch eine Innenseite, ein Gegenüber in Verlängerung der Nord-südlichen Gasse zwischen der Stadtbibliothek und dem Professorenhaus. In diesem Hof befinden sich die Zugänge zu den Wohnungen in den Obergeschossen. Dieser Hof wird im Norden von einem Baukörper geöffnet, der die Zufahrt zur Tiefgarage und die Tore zum Innenhof beinhaltet, im Süden wird er geschlossen mit einem Baukörper zur Aufnahme von Fahrrädern und Entsorgungseinrichtungen. Durch diese Anordnung der Körper wird der Ort neu definiert und den Ansprüchen des urbanen Lebens in der Stadt gerecht. Es entstehen Trennungen zwischen den Orten der Ruhe und der Geschäftigkeit, der flüchtigen Begegnung und dem Verweilen. Das Südlicht kann, wie es seit dem Abriss der Bestandsbebauung möglich ist, aus dem Baublock über den Hof in die Gasse zwischen der Stadtbibliothek und dem Professorenhaus fließen. Die Aufenthaltsqualität des Ortes wird optimiert.

Fassade - Die Fassadenstruktur besteht zum Einen aus schmalen Fenstern, die durch ihre wechselseitige Lage Körperhaftigkeit und durch ihre Größe Maßstäblichkeit erzeugen. Durch die Ergänzung durch große aufrechte Fassadenöffnungen und das Vernähen der durch Rücksprünge dargestellten Deckenlagen, entsteht Geschossigkeit. Die Differenzierung der inneren Funktionen formuliert das Erdgeschoss zum Sockel und die Obergeschosse zu Flächen und abschließenden Konturen. Die Dichte der Öffnungen entscheidet über Privatheit und Öffentlichkeit. Der lehmfarbende Ziegel spiegelt die Farben des Kranken- und des Professorenhauses wieder. Die Fenster erhalten weiße Flügel in den tief in die Mauerlaibung liegenden moosgrauen Blendrahmen, die nur als Schattenfuge wahrgenommen werden. Die Dachlandschaft wird mit einer naturroten Hohlpfanne homogen eingedeckt. Organisation - Die drei Treppenhauskerne verbindet die Tiefgarage barrierefrei mit allen Geschossen. Die vielfach teilbaren Dienstleistungsflächen im Erdgeschoss können ebenfalls über die Tiefgarage erreicht werden. Im Erdgeschoss des Hofhauses wäre, mit der Zuordnung des südlichen Spielplatzes, die Einrichtung einer KiTa möglich, die den Wohnwert für junge Familien erhöht und ein Mehrgenerationenwohnen ermöglicht. Die verschiedenen barrierefreien Wohnungstypen orientieren sich zum Innenhof oder zu einem privaten, offenen Patio an der Gymnasialstraße. Die Schlafräume bilden innerhalb der offenen Grundrisse Privatheit. Zusätzliche Schlafräume sind in Teilen den Wohnbereichen zugeordnet und können variabel als Kinderzimmer oder Rückzugsraum genutzt werden. Die Bebauung hält sich an die vorgegebenen GRZ, GFZ und Geschossigkeiten des Bebauungsplanes. Die Gebäudefluchten und Gebäudehöhen beziehen sich präzise auf das Kranken- und Professorenhaus, um die Stadträume ausgewogen zu definieren. Sie überschreiten aber dadurch die vorgegebenen Höhen der Satzung. Auch die Farbgebung der Fassaden entspricht in Teilen nicht den Vorgaben.

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