Bild: Wettbewerb Kolumbarium St. Petrus Canisius, 1. Rundgang Bild: Wettbewerb Kolumbarium St. Petrus Canisius, 1. Rundgang

Wettbewerb Kolumbarium St. Petrus Canisius, 1. Rundgang

2015-06-09

Das christliche Heilsversprechen auf das ewige Leben beginnt mit der Taufe. Ab diesem Zeitpunkt sind Körper und Seele vereint. Der Körper als Tempel der Seele ist Teil der irdischen Vergänglichkeit, die Seele ist Teil der göttlichen Unendlichkeit. Der Wunsch der Gemeinde nach einem Kolumbarium im Zeichen der Auferstehung verlangt eine Ikonographie der Elemente aus Vergänglichkeit und Unendlichkeit, aus Körper und Seele. Am Haupteingang beginnt die inhaltliche Achse die von den im Raum eingestellten Abschiedsräumen, über die Aussegnungshalle, bis zum dauerhaften Gemeinschaftsgrab in der Mitte des Raumes und zum Taufbecken an der Stelle des ehemaligen Altars, führt. Das Taufbecken wird überragt von dem Altarkreuz, dem Werkzeug des Martyriums. Der vom Kreuz abgenommene Korpus Christi befindet sich über dem Gemeinschaftsgrab, umfasst von einem Haus in Form eines Möbius Bandes als Zeichen der Überwindung des Leidens und des Todes. Die Taufe mit dem Kreuz und die dauerhafte Ruhestätte mit dem auferstandenen Christus vereinen in ihrer Ikonographie jeweils die Vergänglichkeit und die Unendlichkeit. Die Urnenkammern umfassen U-förmig diese beiden Orte als Gemeinschaft zwischen dem irdischen Tod und dem ewigem Leben. Die Transformierung der Pfarrkirche in einen Bestattungsraum wird so zeichenhaft an den zentralen Bildern des Glaubens verdeutlicht. Während der Aussegnung wird durch die Ausrichtung der Blick frei in die Gemeinschaft der Urnengräber und auf das Haus mit dem ewigem Grab und dem Taufbecken. Verstärkt wird der räumliche Eindruck durch die Inschrift an der Front des Hauses mit der erlösenden Osterbotschaft des Engels am Grabe Jesu:

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten. Lukas 24,6

Dieses Heilsversprechen, diese verblüffende wie verstörende Erkenntnis am Grabe Jesu, ist die Kernaussage des christlichen Glaubens. Die formale Umsetzung dieser Aussage kann nur an den übergeordneten Elementen, die auf das ewige Leben hinweisen, ausgeführt werden. Die Orte der Aufbewahrung der sterblichen Hülle benötigen eine formale Würde in Zurückhaltung und Bescheidenheit im Ausdruck der Glaubensgemeinschaft. Die Urnenkammern bestehen aus geflammten Seekieferplatten mit Kuben aus schwarzem Zinkblech. Die Abschiedsräume und die Einbauten im Seitenschiff bestehen aus gebeizten und die dauerhafte Ruhestätte aus gewachsten Seekieferplatten. Die Toranlagen werden aus gewachstem Rohstahl gefertigt. Der Kirchenraum bleibt, bis auf den Rückbau der Altarinsel und der Rückwand aus Trockenbau, unverändert. Die anfänglichen Annahmen bzgl. Aufgabe der bestehenden Sakristei behalten in diesem Entwurf Ihre Gültigkeit.

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