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Wettbewerb Kirchstaße Burgsteinfurt, 1.Preis

2011-12-05

Die Stadt - In Burgsteinfurt stehen Burg und Stadt in einem engen Zusammenhang. Im Schutze der erstmals 1129 erwähnten Burg bildete sich eine Marktsiedlung, die 1338 stat to Stenvorde genannt wird. An der Ausfahrtstraße Richtung Horstmar wurde auf dem Gelände des Wulffhofes im 14. Jahrhundert eine Kapelle erbaut. Im 15. Jahrhundert wurde diese Kapelle durch einen Kirchenneubau unter Patronatsrecht des Grafen von Steinfurt ersetzt. Zwischen dieser Kirche und dem Hewenshof entstanden zu dieser Zeit giebelständige, mit Traufgassen getrennte Hausstätten einschließlich ihrer Speicher- und Nebengebäude, die über Gassen, Mistfall, mit der Straße verbunden waren. Es entwickelte sich eine hierarchische Wegestruktur bestehend aus Ein- und Ausfallstraßen, in diesem Fall die Kirchstraße und in zweiter Ebene eine Ringerschließung als Verbindung der Ausfallstraßen, in diesem Stadtteil der Katthagen und die Türkei. In dritter und vierter Erschließungsebene befinden sich die Gassen die zur evangelischen und katholische Kirche und zum Hewenshof führen und die Traufgassen die Speicher und Nebenhäuser mit der Straße verbinden. Die neue Bebauung der Grundstücke Kirchstraße 16 und 18 folgt diesem System in ihrer Position, Ausrichtung und Erschließung. Der in drei Häusern elementierte Baukörper schafft mit der Umgebungsbebauung drei geschlossene kontrollierte Stadträume unterschiedlicher Qualität. Der Hewenshof erhält einen symmetrischen Ehrenhof entsprechend seiner baulichen Typologie. Der horizontal ausgerichtete Riegel des neuen Pfarrzentrums bekommt über das Giebelpaar der neuen Bebauung Kirchstraße 16 ein Gegenüber, so dass in Verbindung mit der Seitenansicht des Hewenshofes ein gefasster Kirchgarten entsteht. Der lineare Neubau Kirchstraße 16-18 bildet mit dem Hofhaus und der Randbebauung der Kirchgasse, einschließlich der verlängerten Kirchenmauer, einen geschlossenen Stadtraum am Chor der Kirche.

Das Haus - Die neuen Baukörper entwickeln auf einem Raster von 1,35m in ihrem Vielfachen in Proportion und Körperhaftigkeit eine Fortsetzung der Häuser Kirchstraße 12 und 14. In den Traufgassen werden die Gebäude miteinander über alle Ebenen vernetzt. Über diese Knotenpunkte ist eine separierte und verbindende Erschließung von Nutzungseinheiten gegeben. So wie die bestehenden Hausstätten der Kirchstraße 12 und 14 in ihren strukturellen Eigenschaft aus der materiellen und funktionalen Optimierung zu einem universellen Gebäudetypus wurden, ist das neue Gebäude eine Fortsetzung des äußeren städtischen Gefüges in eine innere Struktur mit mehreren Nutzungsmöglichkeiten, unter Beibehaltung des städtischen Maßstabes.

Der Raum - Die Häuser Kirchstraße 12 und 14 sind in ihrer Grundsubstanz eingeschossige Längsdielenhäuser mit Fachwerkwänden und Satteldach. Die Belichtung der Räume erfolgt aufgrund der geschlossenen Bauweise über die Giebelseiten. In der dunklen Mittelzone sind die Nebenräume und die Erschließung der Obergeschosse organisiert. Für die Neubauten gilt das gleiche Prinzip. In den Erschließungskörpern in der Mitte der Traufgassen liegen in der Querachse die einläufigen gegenüberliegenden Treppenpaare. Sie sind Zugang und Weg zwischen den Gebäuden. Jede Etage ist separat vom Erdgeschoss im Knotenpunkt erschließbar und ermöglicht so die Bildung von vier getrennten Nutzungseinheiten. Im introvertierten Obergeschoss des Erschließungsbaukörpers ist die Verbindung der Obergeschosse möglich, so dass wie im dargestellten Beispiel ein Sozialzentrum mit komplexerem Raumbedarf untergebracht werden kann. Es besteht aber auch die Möglichkeit, im Hof die Flächen geschossweise als Wohnraum zu nutzen und nur im Bereich der Kirchstraße die Erdgeschossflächen als Verkaufs- und Dienstleistungsflächen vorzuhalten. Die Geschosse der einzelnen Baukörper sind in drei bis vier Räume unterteilt, die jeweils über die Außenecke über bodentiefe Fenster belichtet werden. Das Haus Kirchstraße 14 ist im System der Neubauten vernetzt. Das Haus Kirchstraße 12 ist separiert, könnte aber nach dem gleichen Prinzip eingebunden werden. Dort sind die zur Zeit vorhandenen Nutzungen beibehalten. Das Hofhaus ist von allen jüngeren Anbauten befreit und wird zu einer Wohnung mit einem Hofgarten umgenutzt.

Bild: Wettbewerb Kirchstaße Burgsteinfurt, 1.Preis Bild: Wettbewerb Kirchstaße Burgsteinfurt, 1.Preis Grundriss Erdgeschoss


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